Emmendingen, 9. April 1777

Jakob Michael Reinhold Lenz an Heinrich Christian Boie (⁠ ⁠Hannover⁠ ⁠)
Empfangen – den 22sten Apr. 77.
Emmedingen.
Es wundert mich ausserordentlich lieber Freund! daß ich noch nichts von Pfeffeln erhalte, der mir erst gestern schrieb. Sollten Sie das Geld etwa noch bey sich haben so schicken Sies jetzt nur gerad unter Schlossers Adresse her, der wieder da ist. Ich wollt es nach Colmar weil ich dahin zu gehen gedachte und von da weiter – So aber halten Sie mich allein zurück –
Die Zerstückelung des Landpredigers war mir nicht die angenehmste Neuigkeit. Auch heißt er nicht Wangen- sondern Mannheim, welcher Name hoffentlich nicht dort herum sich finden dürfte.
Herrn Zimmermann und Bürger meine Empfehlung. In Erwartung baldigster Nachricht bleibe
Ihr ergebenster L.
Wie wär’s wenn Sie ihn Mannhardt tauften, im Fall etwa der erste Name nicht durchgienge?
D. 9ten Aprill.
Wangenheim ist ganz fatal.
Für Vossen habe an Kaisern in Zürich einige Sächelgen geschickt, der sie ihm mit der Musick geben wird
Leben Sie wohl!
Pygmalion
An diesen Lippen, diesen Augen
Die Welt vergessend, hinzuhangen
Und aus den rosenrothen Wangen
Des Lebens Ueberfluß zu saugen
An dieses Busens reiner Fülle
Die Schmerzen meiner Brust zu wiegen
Und auf des Schooses Fried und Stille
Mit Tränenmüdem Haupt zu liegen
Das war mein Wunsch – das ist mein Grämen –
Und soll mir doch kein Schicksal nehmen.
Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens:
Herrn
Herrn Staabssekretär
Boje
zu Hannover
baldmöglichst.

Provenienz

Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Lenziana, Sammlung Autographa 1, Nr. 17. Rotes Siegel; handschriftliche Vermerke „v Emendingen“, „frc. Ffurth“, „12“, „4 gl(?)“.

Hände

ZitationQuelle

Jakob Michael Reinhold Lenz, Emmendingen, an Heinrich Christian Boie, Hannover, 09.04.1777, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/274/]