Zur Edition

Ediert werden alle 374 überlieferten Briefe von und an Jakob Michael Reinhold Lenz. Perspektivisch sollen die Briefe auch kommentiert werden.

Lenz’ Schriften sind bisher zum großen Teil nicht historisch-kritisch ediert. Die derzeit üblicherweise als Referenz herangezogene Ausgabe von Sigrid Damm hält weder den aktuellen Ansprüchen wissenschaftlicher Forschung stand noch vermittelt sie ein adäquates Bild des Lenz’schen Werks. Vielmehr wird dessen Disparatheit zugunsten einer ‚Lesefreundlichkeit‘ geglättet, die darauf zielt, einem vermeintlich einfachen Zugang zu Lenz’ Werk den Vorzug gegenüber der tatsächlichen – komplexen – Überlieferungslage zu geben. Dieser Mangel betrifft auch den Briefwechsel.

Die bisherigen Briefausgaben – von Freye und Stammler (FREYE/STAMMLER 1918) sowie der dritte Band von Damms Werk- und Briefausgabe (DAMM 1987) – reflektieren nicht den gegenwärtigen Stand der Forschung (die Edition der MOSKAUER SCHRIFTEN gibt dagegen die dort entstandenen Briefe zwischen 1781 und 1792 historisch-kritisch wieder); sie sind zudem beide nicht vollständig. So sind etwa verloren geglaubte Briefmanuskripte wieder aufgetaucht ebenso wie bis dato gänzlich unbekannte Briefe.

Die Überlieferung der Lenz-Briefe ist vielgestaltig: Autographen bilden den wesentlichen Teil; quantitativ folgt – da zahlreiche Manuskripte verschollen sind – die Drucküberlieferung in Aufsätzen und frühen Ausgaben. Daneben gibt es einige Briefe, die nur in zeitgenössischen Abschriften und Exzerpten erhalten sind. Einige wenige Briefe bzw. Briefpassagen wiederum sind nur als Zitate in Fremdtexten überliefert. Diese Vielfalt wirft Probleme hinsichtlich einer einheitlichen typographischen Einrichtung und Auszeichnung auf, die hoffentlich möglichst adäquat und zugleich pragmatisch Darstellung gefunden haben.

Aufgenommen sind nur tatsächliche Briefe (also keine Stammbucheinträge oder ähnliches); Gedichte werden nur aufgenommen, wenn sie gesichert in einem Briefkontext eingebettet sind. Nicht Teil der Edition sind fiktionale und programmatische Briefe, etwa im Kontext der Sozialreform (vgl. SCHRIFTEN ZUR SOZIALREFORM).

Die Kritische Briefausgabe nimmt konsequent Bezug auf die materielle Überlieferung, d.h. die Briefe werden ohne Vereinheitlichungen oder Kürzungen dargeboten, indem die Edition direkt das Manuskript oder die primäre Drucküberlieferung heranzieht. Die Topographie der Aufzeichnungen wird annähernd wiedergegeben; das gilt auch für Anrede und Abrede oder für Respektsabstände. Unterstreichungen bzw. Durchstreichungen sind wortgenau. Ein verschliffenes „und“ („u“) wird bei großer Wahrscheinlichkeit aufgelöst; das gilt auch für Symbole für „nicht“. Geminationsstriche über „m“ und „n“ sind als „mm“ bzw. „nn“ realisiert. Systematisch verschliffene Endsilben werden bei großer Wahrscheinlichkeit des Wortbilds ohne eigene Auszeichnung ergänzt.

Bei autographen Manuskripten ist der Seitenumbruch markiert. Einfügungen werden differenziert beschrieben: als über, unter oder neben der Zeile. Streichungen werden differenziert wiedergegeben, ebenso alle Ersetzungen, Überarbeitungen und Schriftwechsel. Lenz’ Eigenheit v.a. den linken Rand der Briefe mit Schrift zu füllen, findet Berücksichtigung, indem der Ort der Schrift semi-diplomatisch festgehalten wird. Längere französische Passagen werden übersetzt, russische, altgriechische und lateinische Begriffe perspektivisch im Kommentar erläutert.

Randnotizen im Brief von Lenz an Gotter, 10. Mai 1775, S. 2.

Alle Briefe erscheinen in ihrem materialen Kontext, sodass z. B. bei Doppelbriefen auch der mitgeschickte zweite Brief ediert wird. Verzeichnet sind auch ermittelte Briefeinlagen. Brieffremde Elemente auf dem Überlieferungsträger sind Teil der Edition, z.B. Zeichnungen oder Notizen. Oft hat Lenz um Briefentwürfe herum zahlreiche andere Notizen hinterlassen, oder aber Briefempfänger verwenden das Papier für andere Zwecke weiter. Kalkulationen und umfangreichere Notizen zur Sozialreform werden nicht wiedergegeben; es wird stattdessen auf die Edition der Schriften zur Sozialreform verwiesen.

Die Briefumschläge – bzw. bei gefalteten Kuverts die Außenseite mit Adresse – werden detailliert beschrieben, z.B. Poststempel, Siegel, Frankiervermerke oder Aufschriften, mit Hilfe derer der Postweg verfolgt werden kann. Der Querstrich zwischen „in“ und Ortsangabe wird nicht wiedergegeben, da er nur eine der Klarheit dienende Konvention der Adressierung ist.

Briefumschlag von Lenz an Weidmanns Erben und Reich, 26. Juli 1776, S. 2.

Die Manuskripte der Briefe finden sich im Verzeichnis des Lenz Archivs eingehend beschrieben: Handschriften - Jakob Lenz Archiv. Für Forschungsfragen steht die Bibliographie auf der Webseite des Lenz-Archivs zur Verfügung.

Mitarbeit

Technische Umsetzung: Simon Martens
Wissenschaftliche Hilfskräfte: Gregor Michalski, Paula Schlosser
Französische Übersetzungen: Joscha Sörös
Russische Transkription: Stefan Grießl

Siglen

DAMM
Jakob Michael Reinhold Lenz: Werke und Briefe in drei Bänden. Hrsg. von Sigrid Damm. Leipzig: Insel 1987
FREYE/STAMMLER
Briefe von und an J. M. R. Lenz. Gesammelt und hrsg. von Karl Freye und Wolfgang Stammler. 2 Bde. Leipzig: Wolff 1918
SCHRIFTEN ZUR SOZIALREFORM
Elystan Griffiths und David Hill unter Mitwirkung von Heribert Tommek (Hrsg.): Jacob Michael Reinhold Lenz: Schriften zur Sozialreform. Das Berkaer Projekt, 2 Bde. Frankfurt am Main, Berlin u. a.: Peter Lang 2007
MOSKAUER SCHRIFTEN
J. M. R. Lenz: Moskauer Schriften und Briefe. Text- und Kommentarband. Hrsg. von Heribert Tommek. Berlin: Weidler 2007

Legende

Hauptsächlich im Druck

Kursivdruck
Wort
Fettdruck
Wort

Hauptsächlich in der Handschrift

Lateinische Schrift In der Handschrift nicht kurrente, im Druck nicht gebrochene Schrift.
Amice carissime
Unterstrichen
Einfach Zweifach Dreifach
Streichungen
gestrichen zweifach
Rücknahme
Wort
Einfügung Pfeile zeigen die Position der Einfügung.
Zusatz
oben
Überschreibung
altneu
Unterschiedene Hände Unterschiedliche Schriftschnitte (Regular, Semi-Bold, Light) mit Namen am Textrand.
Aa Aa Aa
Textrichtung Eine graue seitliche Linie kennzeichnet längere Passagen, gedreht im Verhältnis zum Haupttext. Bei Randnotizen ist die Drehung explizit angegeben.
Im Uhrzeigersinn Kopfstehend Gegen den Uhrzeigersinn
Bleistift
Wort
Wechsel der Tinte
Wort
Tilgung Gegebenenfalls mit lesbarem Text.

getilgter Text
Farbige Hervorhebung
Wort Wort
Größere Schrift
Wort

Editorische Hinweise

Anmerkungen der Editoren
Anmerkung
Textverlust Der Kreis markiert verlorenen Text. Die Erklärung steht unter „Textverlust“ in den Anmerkungen.
vor nach
Unentziffert Der Abstand der Marker entspricht dem ungefähren Umfang der unentzifferten Textstelle.
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Layout

Seitenwechsel Seitenzahlen links; ein vertikaler Strich markiert den Wechsel im laufenden Text.
2   TextText
Leerräume Außer zwischen Seitenumbrüchen bildet der Leerraum die edierte Quelle mimetisch ab.
Text
Text
Randnotizen Möglichst zu Anfang der Seite. Die Symbole verweisen auf die Position auf der Briefseite.

Druck und PDF-Export

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