Straßburg, Dezember 1775

Jakob Michael Reinhold Lenz an Friedrich Wilhelm Gotter (⁠ ⁠Göttingen⁠ ⁠)
In der grösten Eilfertigkeit kann ich Ihnen nur bester Gotter sagen, daß ich Ihr edles liebes Schreiben erhalten, für Ihre Theilnehmung danke und Sie bitte mir das Schicksal und die Aufnahme meiner Captivei in zwey Worten zu berichten.
Vor allen Dingen sagen Sie aber Goethen kein Wort von alledem, wenn Ihnen meine Freundschaft noch werth ist. Ich erwarte die Missive mit der fahrenden. Oder das Mskpt. wieder.
Warum geben Sie mir denn keine Nachricht von Ihrer Fräulein Schwester. Werden wir nicht das Versprechen erfüllt sehen, daß Sie sich thaten, Strasbg. zu dem Mittelpunkt ihrer Zusammenkunft zu machen.
Und warum haben Sie an das nicht gedacht, woran mein Brief wenigstens Erinnerung seyn sollte? Ich sage Ihnen Sie erweisen Vaterlande und Freunden einen Dienst damit. Von Ihren theatralischen Sachen hör’ ich soviel reden u. kann sie kann sie nicht zur Ansicht bekommen. Leben Sie wohl bester und antworten balde
Ihrem äusserst zerstreuten
aber stets redlichen JMRlenz
im oberen rechten Viertel des Blattes:
Ihr Urtheil!
Es ist hier in großer Gesellschaft vorgelesen worden und hat Glück gemacht. – Doch ists das einzige Mskpt. das ich habe

Provenienz

Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Lenziana 5, Nr. 4.

ZitationQuelle

Jakob Michael Reinhold Lenz, Straßburg, an Friedrich Wilhelm Gotter, Göttingen, Dezember 1775, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/86/]