Weimar, Ende Mai 1776

Jakob Michael Reinhold Lenz an Heinrich Christian Boie (⁠ ⁠Hannover⁠ ⁠)
Ihre Empfindlichkeit über meinen letzten Brief ist mir ein schätzbares Zeichen Ihrer Freundschaft, ich mußte aber Ihrem Freunde Hellwig dem er bestimmt war ernstlich weisen wie nahe mir die Sache lag.
Sie werden mir einen Gefallen thun, wenn Sie mir die noch hoffentlich nicht verkauften Exemplare der Vertheidigung zuschicken, die Exemplare der Wolken aber in Zimmermanns Gegenwart verbrennen. Dafür verspreche ich Ihnen einige Beyträge in ihr Musäum unentgeldlich und habe auch Schlossern geschrieben Ihnen ein Drama von mir „Der Engelländer“ das hier sehr goutirt worden, für 4 Louisdór zu überlassen. Weniger fodern kann ich nicht, da ich in Hamburg für die Vorstellung allein 100 Thaler erhalten und es mir sodann doch freystehen würde es einem Verleger zu verhandeln.
Ich verlange nichts weiter für den Strephon als den Pack (nebst einer Zulage der erbethenen Nachrichten, um die ich nochmals sehr bitte) den Sie nur an Goethen adressiren, da ich bald von hier aufs Land gehe. Vergessen Sie alles Vergangne und bleiben mein Freund
Lenz.
Empfehlen Sie mich doch Zimmermann bestens und geben ihm unbeschwert doch gegenwärtiges Gedicht von Lindau, das ich aber sonst sehr geheim zu halten bitte. Wenn Z. ihm schreibt, so bitte ich doch unendlich, es ihm zu schicken, ich will es gern sobald ers verlangt mit der fahrenden Post mit einem halben Dutzend ersetzen.
Auch bitt ich Zimmermann sehr, im Fall die mir vom Buchhändler noch zukommenden Exemplare der Soldaten noch nicht nach Strasburg abgegangen eins davon einzupacken und unserm lieben Fritz Stollberg zuzuschicken mit der Nachricht daß ich hier und sehr wohl sey, aber sehnlich auf seine Ankunft warte.

Provenienz

Frankfurt/Main, Freies Deutsches Hochstift, Hs-30943 (Leihgabe aus Privatbesitz).

ZitationQuelle

Jakob Michael Reinhold Lenz, Weimar, an Heinrich Christian Boie, Hannover, Ende Mai 1776, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/190/]