Weimar, Sommer 1776

Jakob Michael Reinhold Lenz an Theobald Marchand (⁠ ⁠Mannheim⁠ ⁠)
Hier schick ich Ihnen mein schätzbarer Freund ein Exemplar von meinen Soldaten zur schuldigen Danksagung für alle mir in Mannheim erzeigte Liebe. Es sollte mich freuen, wenn es von Ihrer Schauspielerbaumschule als Uebungsstück deklamirt werden könnte.
Ich habe Eckhafen hier auf einem Conzert bey Hofe gesprochen und viel von Mannheim mit ihm ger Er ist wohl zu alt und zu wohl in Gotha, als daß e ausserordentlich vortheilhafte Bedingungen zu Ihne translocirt werden könnte. Er erbietet sich aber g wenn Sie ihm junge Mannheimer zuschicken wollen, Ssie auf alle mögliche Weise zuzustutzen und er ist in der That der Mann dazu. Wie sehr wünschte ich unserm Freunde Müller eine Unterredung mit ihm. Es freute mich wie ein Geschenk, daß er über unsere gewöhnlichen Schauspieler und ihre Gebehrdungen mit mir auf ein Haar zusammentraf. Sagen Sie doch das wenn es seyn kann einmal dem Graf Portia. Hier ist ein Liebhabertheater für Adel und Bürger, wo alle elende Schauspielerregeln verbannt sind. Ueberhaupt interessirt sich der Herzog und beyde Herzoginnen ungemein für deutsche Litteratur, mehr als ich sagen darf.
Daß es mir wohlgeht brauch ich Ihnen nicht zu sagen, sonst blieb’ ich nicht so lange. Grüssen Sie doch alle guten Freunde und behalten mich lieb.
Lenz
2ter Theil wo die bürgerlichen Einrichtungen
Alles kommt auf eine Numerische Eintheilung in Klassen an die durch die Feodalverfassung zu Grund gegangen, daß alle Classen sich die Hände bieten und so alle Kräfte in Bewegung gesetzt werden
Stuart schlägt vor.
Ddd.

Provenienz

Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Lenziana 5, Nr. 33; Entwurf. „tout ou rien.“ eingekreist.

Textverlust

Textverlust durch Ausriss.

ZitationQuelle

Jakob Michael Reinhold Lenz, Weimar, an Theobald Marchand, Mannheim, Sommer 1776, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/197/]