Zürich, Ende Mai 1774

Johann Caspar Lavater an Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Gottfried Röderer (⁠ ⁠Straßburg⁠ ⁠)
2. Worte! – Nur Ihr seyt m: Herzen nahe, kommt mir aber kommt mir allein – wenn ichs Euch sagen werde bis auf Basel entgegen: Ich gedenke, so Gott u: m. Gesundheit will in 4. Wochen abzureisen. Zu glüklich bin ich solche Freunde zu haben – doch ist mir bange, Kinder, daß Ihr Waßer aus der Dürre, u: Leben von dem Todten erwartet – o wie tief unter aller Erwartung bin ich – ob’s falsche oder wahre Bescheidenheit uns – oder Wahrheit sey, werdet Ihr sehen. Doch bring ich Euch ein redlich offenes Herz, das eures schrecklich gern kennt – giebt durchs Empfangen u: empfängt durchs Geben –
Lentz bey Dir also steig ich ab – bey Dir leb’ u: wes’ ich, aber ach! Nur einen Tag u. einen Sonntag – Sagen darf ich’s hoff’ ich Dir o daß ich vor einigem Wiederwillen krank würde, wenn Du etwas mehr als Teller Waßer, Gabel u. Löfel – um meinetwillen auf Deinen Tisch legen würdest. Goethe – will mich auch bey sich haben – in Erfurth – thu, was du willst – ihn fortzureitzen: doch wär’ ich vielleicht der Schwächere Straßburger Freunde wagts – denen ich Freyheitsgeist mitbringen mögte, chenirt – doch thue was du willst. Gott stärke dich Du edler Schwacher! Es ist einer der bittet, daß dein Glaube nicht abnehme u: der ist mehr als L–

Provenienz

Zürich, Zentralbibliothek, FA Lav. Ms. 590. Anh. II, Exzerpte von zg. Hand aus Briefen von Johann Caspar Lavater an Johann Gottfried Röderer, S. 3–5.

ZitationQuelle

Johann Caspar Lavater, Zürich, an Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Gottfried Röderer, Straßburg, Ende Mai 1774, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/32/]