Auf dem Weg nach Ohlershoff [Oleri], November 1780

Jakob Michael Reinhold Lenz an Friedrich David Lenz (⁠ ⁠Dorpat [Tartu]⁠ ⁠)
Da bin ich nun auf dem Wege nach Ohlershoff ohne von einem einzigen Freunde Abschied genommen zu haben. So schön geht ihr mit mir um. Doch ihr wünscht euch Glück, es ist ein Drama von eurer Arbeit, eines von den starken Trauerspielen: und wenn das nur fertig wird und alles so ziemlich honett bei der Zubereitung kann gedreht werden, was kümmerts die Schriftsteller, was die Folgen wirklich sind. Die da ihrer Sache am sichersten sind, übernehmen die Forcerollen, die Freygeister u. s. f. unbekümmert ob bei dem was man so spielt nicht ein bischen Wahrheit mit unterläuft.
Laß meine Bücher und Sachen entweder zu Dir oder zum Conrektor tragen, bis die Fuhr nachkommt. Hentschel wird sie Dir abfolgen lassen.
Der Graf Manteuffel ließ Dich grüssen bei dem wir gestern gespeist haben.
So thut Erxleben, der gute redliche Junge, der recht sehr gut eingerichtet – aber sehr allein ist. Er lässt Dich nochmals erinnern und bitten, ihm die versprochene Festgesellschaft mitzubringen. Dein
aufrichtig treuer Bruder J M R Lenz

Provenienz

Riga, Latvijas Akadēmiskā Bibliotekā, Ms. 1113, F. 25, V. 31, Nr. 22. Rotes Siegel.

ZitationQuelle

Jakob Michael Reinhold Lenz, Auf dem Weg nach Ohlershoff [Oleri], an Friedrich David Lenz, Dorpat [Tartu], November 1780, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/345/]