Straßburg, 29. September 1775

Jakob Michael Reinhold Lenz an Johann Gottfried von Herder (⁠ ⁠Bückeburg⁠ ⁠)
D 29sten Sptbr.
Herder! Ich will und muß ein Recepiße haben, ob Du Die Soldaten, eine Komödie erhalten hast, ich habe sie Dir schon seit acht Wochen unterm Couvert der Jungfer König über Darmstadt zugeschickt, wie das Pandemonium: es ist mein einzig Manuscript und wenn es verloren ist, so ist mein Leben mit verloren. Reiß mich aus diesem quälenden Zweiffel durch eine kleine Erkundigung bey Herrn Geh. Rath Heß und durch die geschwindeste Antwort, nur in zwey Zeilen.
Lenz.
Ich darf in dieser Gemüthslage keinen Menschen grüssen lassen. Ich rase nicht. In guter Prosa: Die Soldaten eine Komödie habe ich Dir über Darmstadt zugeschickt und will wissen, wo sie ist. Meine Reise ist auch wahr.
Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens:
Herrn
Herrn Herder
Consistorialrath
in Bückeburg

Provenienz

Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv, GSA 44/69, Bl. 3–4. Auf dem Umschlag handschriftlicher Vermerk „franco Rheinhausen“; handschriftlich unsicher „ 9 K. f p“ Stempel „STRASBOURG“; rotes Siegel.

ZitationQuelle

Jakob Michael Reinhold Lenz, Straßburg, an Johann Gottfried von Herder, Bückeburg, 29.09.1775, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/69/]