Schweiz, 26. Mai 1777

Jakob Michael Reinhold Lenz an Heinrich Christian Boie (⁠ ⁠Hannover⁠ ⁠)
Darf ich Sie um Ihrent- um meinetwillen bitten, das über die launigten Dichter noch nicht in Ihr Musäum zu rücken. Unser Publikum hat noch keinen Sinn dazu und es könnte entsetzlich mißverstanden werden. Heben Sies auf bis Zeit und Gelegenheit Beobachtungen günstiger sind, die durchaus auf keinen einzelnen Fall dürfen gezogen werden und wo diesmal die Anwendung auf Wieland, auf dessen wenigste Sachen sie passen, unvermeidlich wäre.
Ich schwärme in der Schweitz herum, habe in Schinznach vier goldene Tage gelebt, in Zürich Basel und Schafhausen viel Liebe genossen. Sagen Sie Zimmermann, daß seiner als Grundleger der helvetischen Gesellschaft mit vieler Erbauung ist gedacht worden und daß er an Hn. Doktor Stuker, einem würdigen Menschen unter den Würdigen, einen warmen Freund hat. Daß der Landpr. bald auf einander folgt freut mich, überhaupt würden Sie wohlthun, ihre Sachen nicht mehr so zu zertrennen, worüber man mir hie und da und von sicherer Hand viel Beschwerden geäussert hat. Natürlich ists daß drey Vierthel von dem Eindruck des Ganzen verloren gehen. Wär’ es möglich noch die zwo Hälften zu verbinden, würden Sie sehr wohlthun denn wenn ich die Strahlen eines Brennspiegels auseinander werfe, kann kein Flämmlein erfolgen Leben Sie indessen wohl und empfehlen mich Zimmermann und allen Edlen Ihrer Gegend.
D. 26sten Mäy 1777.
Lenz
Außenseite des zum Umschlag gefalteten Bogens:
Herrn
Herrn Stabssekretär
Boje
abzugeben im Churhut bey der Post.
in Hannover.

Provenienz

Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Lenziana, Sammlung Autographa 1, Nr. 18. Rotes Siegel; handschriftliche Vermerke „franco Francfort“, „4 gl“, „14“.

ZitationQuelle

Jakob Michael Reinhold Lenz, Schweiz, an Heinrich Christian Boie, Hannover, 26.05.1777, in: Jakob Michael Reinhold Lenz: Kritische Briefausgabe, hrsg. v. Gregor Babelotzky (Heidelberg 2026ff). [https://lenz-briefe.de/briefe/281/]